Rezension: Sommer ohne Sonne – Martin Kolozs

Inhaltsangabe

„Wie jedes Jahr verbringt Martin Sauerwein den Sommer in seinem Ferienhaus in Norwegen und trifft sich mit alten Freunden. Doch dieses Mal ist alles anders in dem beschaulichem Dorf am Fjord: Seine bewegte Vergangenheit holt den bekannten Theaterkritiker in Person einer jungen, attraktiven Frau ein, und in Ulvik treibt eine gewaltbereite Einbrecherbande ihr Unwesen.“

Was geschieht, wenn ein von Erfolg gekennzeichneter Theaterkritiker, eine aufdringliche Lektorin, eine unzufriedene Ehefrau, eine gutmütige ältere Dame und eine vermeintlich kriminelle Bande in einer norwegischen Stadt aufeinander treffen und den gesamten Ort auf den Kopf stellen? Martin Kolozs zaubert mit seiner Kurzgeschichte „Sommer ohne Sonne“ ein brilliantes Meisterstück der Literatur und überzeugt mit skurrilen Figuren , überspitzten Handlungen und unerwartetem Tiefgang.

Sommer ohne Sonne - Martin Kolozs
Titel: Sommer ohne Sonne | Autor: Martin Kolozs | Verlag: Bucherverlag | Format: Taschenbuch | Seitenanzahl: 104 | Preis: 13,50 | ISBN: 978-3-99018-367-0

Rezension

Allein die Aufmachung von Martin Kolozs zweitem, im Bucherverlag erschienenem, Werk „Sommer ohne Sonne“ macht schon einiges was her! Das Cover ist schlicht und elegant, gleichzeitig kreativ umgesetzt und macht den Leser auf jeden Fall neugierig für mehr. Nicht nur bleibt er seinem Stil treu, auch sein erstes Werk im Bucherverlag wurde ähnlich gestaltet, er regt damit auch bewusst von Beginn an die Phantasie der Leser an. Nichts mit aufwendigen Hintergründen oder frei interpretierbaren Motiven, die einem eine gewisse Vorahnung auf die Richtung des Buches geben. Pure Farbe. Lediglich der Bezug zur Sonne wird hergestellt. Ein Konzept welches mich auf ganzer Linie überzeugt und mich unterbewusst wirklich beeindruckt hat. Im Nachhinein hätte ich mir auch kein anderes Cover für die Kurzgeschichte gewünscht.

Der Schreibstil wurde komplex und aufwendig aufgezogen, erscheint jedoch nicht als langatmig oder anstrengend. Eine kleine Kostprobe gibt folgendes Zitat:

„War das das Warnsignal gewesen? War das der Punkt, an dem eine Grenze überschritten wurde, eine Grenze, die zu ziehen und zu beachten notwendig gewesen wäre; die grellrote Linie zwischen professioneller Höflichkeit und amikaler Komplizenschaft? Hatte er etwa mit seiner unüberlegten und sicherlich viel zu überstürzten Einladung, bei ihm zu wohnen, einen gefährlichen Flirt provoziert, diesem Tür und Tor geöffnet, und damit einem unerwarteten Gast in der Gestalt närrischer Verliebtheit hereingelassen?“ (S. 16, Sommer ohne Sonne – Martin Kolozs)

Wir erleben einen Sommer in Norwegen mit dem Theaterkritiker Martin Sauerwein, der sich bewusst mit seinem bisherigem Leben auseinandersetzt und eine Biographie veröffentlichen möchte. Norwegen, der Ort an dem er zur Ruhe kommt und an dem er seit Jahren immer wieder zurückkehrt. So verbindet er mehr mit dem Ort, als nur einen Rückzugsort und Fluchtort vor der Realität. Es ist auch der Ort, an dem die Gefühle und Erinnerungen wieder hochkommen und ihn zu übermannen drohen, dass es gar keinen besseren Ort als diesen geben könnte, um seine Biographie zu verschriftlichen.

Wir erfahren einiges über den Charakter Martin Sauerwein, wenn auch das meiste nie direkt vom Autor aangesprochen, sondern offen im Raum stehen gelassen wird. Die Bühne für Interpretationen und Phantasien ist freigegeben und ich gehe davon aus, es ist sogar erwünscht. Kolozs lässt vieles unausgesprochen und bringt wichtige Thematiken damit genau auf den Punkt. Sterbehilfe, Liebe in jeglichen Formen, die Qualität des Lebens und das Streben nach dem perfektem Glück – alles Komponente, die in dieser durchaus kurzen Geschichte sinnvoll und klar verknüpft und dem Leser auf seinem Weg mitgegeben werden.

Eine wahrhaftig gelungene Umsetzung nicht ganz so einfacher Aspekte, interessanter Figuren und unerwarteten, vorhersehbaren, aber nicht zu erwartenden Wendungen fesselten mich von der ersten Seite an und zogen mich immer tiefer in das Leben des Martin Sauerwein hinein. Der Schreib – und Erzählstil, die Story von „Sommer ohne Sonne“ und nachdenkliche Stimmung, die dieses Werk hinterlässt, machen die Kurzgeschichte zu einem ganz besonderem Leseerlebnis.

Einzig und allein vom Ende war ich sehr überrascht und ich muss zugeben, ich wurde wirklich überrumpelt – ich konnte nur noch nicht zu dem Schluss kommen, ob ich dies gut oder schlecht finden soll. Selbst nach einigen Tagen nicht. Eine Geschichte, die einen mit vielen Fragen und Gedanken zurück lässt.


Gewinnspiel

Zum ersten Mal veranstalte ich hier auf dem Blog „A handful of literature“ ein Gewinnspiel. Da der Verlag mir durch ein Missverständnis zwei Exemplare zukommen ließ, möchte ich euch nun die Möglichkeit geben, die Kurzgeschichte „Sommer ohne Sonne“ zu gewinnen und zu genießen! Was ihr dafür tun müsst?

Teilt mir in den Kommentaren mit, was euch an der Kurzgeschichte „Sommer ohne Sonne“ besonders neugierig macht und warum ihr es lesen wollen würdet.

Teilnehmen könnt ihr bis Mittwoch den 07. September 2016 um 23:59. Am darauffolgenden Tag wird ausgelost und der Gewinner schriftlich benachrichtigt! Viel Glück!


Über den Autor

„Martin Kolozs wurde 1978 in Graz geboren, lebte aber seit seiner frühen Kindheit in Innsbruck. Hier studierte er Philosophie an der Leopold-Franzens-Universität und erwarb 2006 mit einer Arbeit über Ferdinand Ebner das Fachdiplom. 2007 war er Gastredner am Europäischen Forum Alpbach, 2008 Gastdozent an der Akademie für Mode & Design in München. Seit 2011 wohnt er in Wien.“ (Quelle)

 

 

One thought on “Rezension: Ein Sommer in Norwegen – Sommer ohne Sonne – Martin Kolozs

  1. Prinzipiell mag ich Kurzgeschichten und Novellen sehr gerne, da die Spannungsdichte im Idealfall deutlich höher ist, als in einem Roman. An „Sommer ohne Sonne“ interessieren mich vorallem die Begegnungen der scheinbar recht unterschiedlichen Figuren und des Kontrasts zwischen „Ferienidyll“/Rückzugsort und Abenteuer (Begegnung mit der jungen Frau/Einladung…).
    Danke für die Buchvorstellung! c you on instagram 🙂

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