Rezension: Ein Mann zum Mitnehmen – Carola Wolff

Inhaltsangabe

Und ob das gut gehen kann! Gestern hattet ihr die Möglichkeit Carola Wolff etwas näher und persönlicher kennen zu lernen und heute möchte ich euch ihr Werk „Ein Mann zum Mitnehmen“ vorstellen.

„Wer setzt denn nur einen attraktiven, schweigsamen Mann aus? Noch dazu einen, der barfuß ist? Franziska Engel, Whiskyladen-Inhaberin wider Willen, findet ihn im herbstlichen Schlosspark und kann nicht widerstehen. Sie hat ein Herz für Streuner, und Geschöpfe in Not ziehen sie magisch an. Ob zwei- oder vierbeinig, Franzi nimmt alle mit, bekocht sie und päppelt wieder auf, nur um dann postwendend verlassen zu werden. Eigentlich hatte Franzi sich vorgenommen, endlich eine taffe, erfolgreiche Frau zu werden, die ihr Leben im Griff hat. Sie wollte sich auf so etwas nicht mehr einlassen. Doch der schweigsame Gentleman hat es ihr angetan. Franzis bester Freund und Wohnungsgenosse, der Transvestit Viktor, ist von dem Neuzugang wenig begeistert. Hund Popcorn und Kater John Wayne mögen den stillen Fremden jedoch sofort. Dann taucht der Musiker Steve, Franzis alte Flamme, wieder auf. Er will unbedingt das Feuer neu entfachen. Zu allem Überfluss steht auch noch Franzis Whisky-Laden Wee Drum kurz vor der Pleite. Halt findet Franzi ganz unverhofft bei ihrem schweigsamen Gentleman und Liebe noch dazu. Doch der Mann aus dem Park hat ein dunkles Geheimnis, bei dem Whisky und Sex nur bedingt helfen können. Als er endlich sein Schweigen bricht, bricht er auch Franzis Herz. Franzi muss erkennen, wer sie ist und was sie wirklich will. Dabei helfen ihr Bauchtanz, ein flüsterndes schwarzes Kleid und selbstgebackener Whiskykuchen.“

Ein Mann zum Mitnehmen - Carola Wolff
Titel: Ein Mann zum Mitnehmen | Autorin: Carola Wolff | Verlag: Books On Demand | Format: Taschenbuch | Seitenanzahl: 264 | Preis: 9,90€ | ISBN: 9783739237022

Darf ich vorstellen? Franziska Engels, absolut gutmütige und viel zu aufrichtige Person, liebevolle Köchin und stolze Besitzerin des Hundes Popcorn und des Katers John Wayne, von Selbstzweifeln geplagte recht hübsche Frau. Außerdem betreibt sie den kleinen, aber eigentlich feinen Whiskyladen Wee Drum, wohnt in einer WG mit dem Transvestiten Viktor bzw. Viktoria und hat einen Hang dazu die falschen Männer aufzugabeln, die sie ständig nur ausnutzen und sie unverhofft schnell wieder sitzen lassen. Fest entschlossen mehr Sport zu treiben und Ananas zu essen, findet Franzi sich nach einem enttäuschenden Einkaufsbummel im Park wieder, wo sie gleich mit ihrem Fitnessprogramm durchstarten möchte. Das Schicksal und Gott höchstpersönlich meinen es gut mit ihr und setzen ihr einen gutaussehenden, gutgekleideten, zwar momentan etwas ungepflegten, aber dennoch sympathisch aussehenden Mann direkt vor ihrer Nase auf eine Parkbank. Hin und her gerissen wie sie sich nun verhalten soll, entschließt Franzi sich dazu den Mann mit nach Hause zu schleppen und wieder aufzupäppeln, so wie früher die kleinen verletzten Vögelchen, die sie auf dem Schulweg aufspürte. Irgendwie musste sie eine besonders hilfsbereite Aura umgeben.


Rezension

Zu Beginn des Romans war ich sehr skeptisch, da ich mit Carolas Schreibstil zunächst überhaupt nicht warm werden konnte. Frei Schnauze (entschuldige, bitte!) schreibt sie darauf los und lässt ihre Gedanken ungehindert ihren Lauf. Kurze, knappe Sätze und sprunghafte und manchmal zu plötzliche Erkenntnisse oder Entdeckungen sind davon die Folge, wie beispielsweise das sehr vorhersehbare Sehen des unbekannten Mannes im Park à la „oh wer ist das denn?!“. Nach kurzer Zeit habe ich mich allerdings daran gewöhnt. Vor allem, da es zu der chaotischen Protagonistin Franzi sehr gut passt.

„Im letzten Sommer war ein kleiner Junge ins Wasser gefallen. Sämtliche effizienten Mütter waren höchst uneffizient durcheinander geflattert, doch dem Kind war nichts passiert. Selbst in der Mitte des Teiches konnte der knapp Zehnjährige noch stehen. Und benutzte diesen Umstand, kichernd die Enten in das Schilf zu jagen. Also ertrinken im Teich fiel flach. Buchstäblich.“ (Carola Wolff – Ein Mann zum Mitnehmen)

„Männer zu kontrollieren war unmöglich. Die augenblickliche Wirtschaftslage und mangelnde Kaufkraft ihrer Kunden konnte sie ebenso wenig kontrollieren. Aber die eigene Kalorienzufuhr? Das sollte sie doch endlich mal geregelt kriegen, sie war doch eine erwachsene Frau, sie war intelligent! Und wenn sie erst mal ihr Gewicht im Griff hatte, dann würde sie auch alles andere in den Griff kriegen.“ (Carola Wolff – Ein Mann zum Mitnehmen)

Gut gefallen haben mir auch die teils parallelen und abwechselnden Erzählstränge von Franzi und dem noch unbekannten Mann, Felix. So hatte man eine sehr schöne und allwissende Sicht auf die gesamte Situation und konnte sich vorstellen oder ausmalen, wie die Geschichte eventuell ausgehen könnte. Das Carola mich dann aber immer wieder trotzdem noch überraschen konnte, machte mich wirklich sprachlos. Also Carola, ich muss wirklich sagen, deine Technik die Geschichte so aufzubauen, war einfach genial. So gab es viele rote Fäden, die sich durch das gesamte Werk hindurchzogen und letztendlich passend zum Kontext abgeschlossen (abgeschnitten, hehe) wurden – sei es das schwarze Traumkleid von Tiffanys, der Kater John Wayne und der Hund Popcorn, die esoterische und spirituelle Findung, das Lied „Imagine“ von John Lennon oder einfach nur der gute alte Whisky. Insgesamt eine runde Sache.

Viel zu meckern habe ich also nicht, außer dass die Geschichte ruhig hätte etwas länger sein können, weil ich die so unterschiedlichen Charaktere verdammt ins Herz geschlossen habe.

Da geht es ja schon beim Hund Popcorn los, den ich mir wahrhaftig wie ein aufgeplatztes Maiskörnchen vorstelle, ergänzt mit ganz viel wuscheligem und knuddeligem Fell, wahrscheinlich etwa so wie auf dem Bild. Den musste man einfach lieb haben, im Gegensatz zu dem Kater John Wayne, der einen eher an „Grumpy Cat“ erinnerte.

Dann Franziska Engels mit ihrer naiven Art und ihren hervorragenden Koch- und Backkünsten, die alle paar Kapitel für Wasser im Mund und den Wunsch auch so gourmethaft kochen zu können, sorgten. Im Laufe des Buches wurde sie selbstbewusster und gestand sich auch ein, dass sie nicht unbedingt die perfekten Modelmaße brauchte, um glücklich zu sein. Auch wenn es ganz wünschenswert gewesen wäre. Am Anfang noch unsicher und davor abgeneigt, auch mal „nein“ zu sagen, lernt sie letztendlich auch mal an sich zu denken und nicht immer die Probleme der anderen zu lösen. Eine charmante Frau mit ganz viel Humor, die nicht merkte, was für eine Ausstrahlung sie eigentlich besaß.

Und Viktor erst! Der Transvestit – oder besser, cross dresser, wie er es ausdrücken würden – ist der hammer! Auch wenn er leicht schwul wirkt, auf Schlager steht und in Frauenkleidern die Stadt unsicher macht, ist er trotzdem sehr bodenständig, ernst und auch realistisch. Seine Art zu sprechen („Schätzchen!“) lockern jede noch so schwierige Situation auf und erlauben auch den Leser etwas lockerer und offener zu werden, was dieses Thema anbelangt.

Auch der mysteriöse Mann Felix, zu dem ich nicht viel sagen werde, ist eine sehr verschachtelte und komplex ausgebaute Figur, die ineinander sehr stimmig ist. Warum, solltet ihr selbst erleben.


Fazit

Ein rundum gelungener Roman mit viel Humor und Charme, perfekt um jeden noch so trüben Tag aufzuhellen.


Über die Autorin

„Carola Wolff lebt in Berlin, zusammen mit Stapeln ungezogener Bücher, die überall herum lümmeln und einer extensiven Sammlung literarischer Teebecher. Sie ist gelernte Buchhändlerin, hat einen BA in englischer Literatur und ein Faible für alles Britische. Geschichten ausdenken und sie aufschreiben, das hat Carola ebenfalls schon immer gerne getan. Die entstandenen Texte staubten leise vor sich hin, bis sie einen Writers Coaching Kurs besuchte und sofort Unterstützung erfuhr. Bei Claudia Johanna Bauer lernte sie das Handwerkszeug des Schreibens und wie man aus einer Idee eine Geschichte macht, die den Leser fesselt. Wenn Carola nicht gerade völlig selbstvergessen ihre Computertastatur bearbeitet, kann man sie in Buchläden beim verzückten Schnüffeln an frisch Gedrucktem erwischen oder in Papeterien auf der Jagd nach schönen Notizbüchern beobachten. Carola liest ausserdem gerne und viel. Zu ihren Lieblingsautoren gehören Ray Bradbury, Neil Gaimann und J.K. Rowling. Mit Tee, Schokolade und einem Buch im Lesesessel verschwinden ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen.“ (Quelle)

Außerdem habe ich ein Interview mit Carola geführt und ihr habt die Möglichkeit hinter die Kulissen zu schnuppern.


Lieblingslinks

„Ein Mann zum Mitnehmen“ von Carola Wolff // Rezension von Tilly auf dem Blog In Flagranti Books

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