Wir drei

Auf meiner Stirne steht der Schweiß,
Ich schüttle den Staub von den Sohlen:
Der Julitag war schwer und heiß,
Nur ruhen und Atem holen.

Und langsam steig ich die Treppen empor,
Wohl an die vierzig Stufen,
Da tönt ein Stimmchen an mein Ohr
Wie silbernes Glockenrufen.

Und versunken war alle Sorge und Last,
Leicht bin ich emporgesprungen.
Und hielt mit beiden Armen umfasst
Mein Weib und meinen Jungen.

Er zog mir vom Kopf den grauen Hut,
Er zerrte mich in die Stube,
Und dann balgten wir uns vor Übermut:
Ich und mein blonder Bube.

Du lachtest dazu, und die Sonne fiel
Hellflutend durchs offene Fenster.
So bannten wir drei in goldenem Spiel
Die grauen Alltagsgespenster.

Theodor Herold

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