Interview: Im Gespräch mit Alana Falk

Wer ist Alana Falk?

„Ich (Alana) bin 1980 geboren und in Süddeutschland aufgewachsen, wo ich mit meinem Mann und unserem Kater lebe. Seit ich in den USA für einige Monate eine High School besuchte, ist die englische Sprache meine Leidenschaft. Ich habe Tiermedizin studiert und danach eine zeitlang Liebesromane übersetzt. Heute bin ich Berufsautorin und hoffe, dass ich das noch lange bleiben kann.“ (Quelle)

Alana Falk
©Alana Falk

Alana Falk findet ihr zudem auf ihrer Website, auf Facebook und auf Twitter.


Ihr Roman „Die Tage, die ich dir verspreche“

„»Du hast Glück, Gwen, alles wird gut, Gwen.« Seit ihrer Herztransplantation hört Gwen nichts anderes mehr. Doch statt überschäumender Lebensfreude fühlt sie nur Schuld gegenüber dem Menschen, der für sie gestorben ist. Und so fasst sie in einer besonders verzweifelten Nacht einen ungeheuerlichen Plan: Sie will ihr neues Herz verschenken und sterben. Ihr entsprechendes Angebot in einem Internetforum liest dessen Moderator Noah, ein junger Student, der keinen großen Sinn in seinem Leben sieht. Er hält ihr Angebot für einen üblen Scherz, geht aber zum Schein darauf ein. Erst als Gwen am nächsten Tag vor ihm steht, um ihn beim Wort zu nehmen, erkennt er, wie schrecklich ernst es ihr ist. Nur mit einem gewagten Handel und einer furchtbaren Lüge kann er ihr das Versprechen abringen, ein paar weitere Tage durchzuhalten. Tage, in denen Noah alles daran setzen muss, Gwen von etwas zu überzeugen, woran er selbst kaum noch glaubt: Dass das Leben lebenswert ist.“ (Quelle)


Das Interview

Erzähl mir von dir, Alana. Alles was dir als wichtig erscheint, was dich ausmacht und was du bisher erlebt hast, ist hier gut aufgehoben.

Also wenn ich das alles aufzählen würde, dann würde hier mein nächster Roman stehen. *g* Aber ich stelle mich einfach vor: Ich bin Alana Falk und schreibe romantische Fantasy. Unter meinem Pseudonym Emilia Lucas schreibe ich Erotik und als Lily Oliver Liebesromane mit ernsteren Themen, im weitesten Sinne New Adult. Ich bin mit dem besten Ehemann der Welt verheiratet und auf unserer Hochzeitsreise waren wir in Neuseeland. Seitdem war es mein Traum, ein Buch zu schreiben, das in Neuseeland spielt und diesen Traum habe ich mir mit Sternensturm erfüllt. ☺

Beschreibe dich selbst mit wenigen Worten.

Ich bin sehr begeisterungsfähig, manchmal chaotisch, einzelgängerisch im Alltag, aber auf Buchmessen etc. sehr gesellig

Warst du in der Schule gut in Deutsch?

Haha, nein, ich war unterirdisch schlecht in Deutsch. Es war das einzige Fach, in dem ich öfter mal eine drei und manchmal sogar eine vier hatte. Im Abitur habe ich sogar ein Semester Deutsch gestrichen, um mir nicht den Numerus Clausus für Tiermedizin zu verderben. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich mit dem Schreiben mal mein Geld verdienen würde, hätte ich ihn für vollkommen verrückt gehalten.

Bist du das geworden, was du früher werden wolltest?

Haha, nein. Ich wollte immer Tierärztin sein, das bin ich zwar geworden, aber als ich es war, fand ich es schrecklich. Ich habe das Studium geliebt, es ist unheimlich spannend und vielseitig. Aber die Arbeit in der Praxis hat mich nie begeistert, auch wenn ich den Umgang mit den Patienten und ihren Besitzern sehr mochte. Es ist einfach zu hart, man kann eigentlich nicht davon leben und Burn Out kriegt man kostenlos dazu. Außerdem verstehe ich jetzt, da ich meinen Traumjob ausüben darf und spüre, wie großartig sich das anfühlt, obwohl ich oft überarbeitet bin, dass Tierärztin nie wirklich mein Traumjob war.

Wie bist du dazugekommen Autorin zu sein? Wie hat alles begonnen?

Ich habe nie geschrieben, habe mir aber schon als Kind immer Geschichten ausgedacht und sie mir selbst erzählt. 2008 habe ich zum ersten Mal vom Nanowrimo gehört, ein internationales Schreibevent, bei dem man versucht, einen ganzen Roman in einem Monat zu schreiben. Das fand ich total durchgeknallt und durchgeknallt ist immer gut, daher musste ich mitmachen und habe es auch geschafft. Richtig gepackt hat mich das Schreiben aber erst 2011.

Warum hast du dich entschieden verschiedene Pseudonyme zu verwenden? Welche Vor- und Nachteile hat das?

Ich mag es, wenn man als Leser am Autorennamen sofort erkennt, welches Genre in einem Buch steckt. Außerdem wollte ich vor allem die Erotik von den anderen beiden Genres trennen. Vorteile sind, dass man sofort weiß, was man bekommt, wenn man den Namen auf dem Cover liest. Nachteil ist, dass nicht alle meine Leser wissen, dass ich das alles bin, auch wenn ich das über meine Website, meine Facebookseite und meinen Newsletter deutlich mache.

Was bedeutet das Schreiben für dich?

Es ist meine größte Leidenschaft und mein Beruf. Die erste Tätigkeit und der erste Job, der mich nicht nach wenigen Wochen langweilt, sondern nach Jahren immer noch begeistert und immer wieder neu herausfordert. Ich kann und will nicht ohne.

Hast du eine bestimmte Technik mit der du arbeitest und deine Geschichten entwickelst?

Ich habe aus vielen Schreibratgebern und meinen eigenen Erfahrungen eine Vorgehenswiese entwickelt, die für mich gut funktioniert. Die ist aber nicht in Stein gemeißelt und wird immer wieder angepasst. Sie besteht aus ganz vielen einzelnen Schritten, die ich der Reihe nach durchgehe und die mir helfen, meine Geschichte zu finden. Wichtig sind für mich Prämisse, 3 Akt-Struktur und die 7 Plotpunkte. Dazu kommt die Charakterentwicklung, die ich vor allem nach dem Ziel / der Motivation / dem Konflikt System erarbeite. Es gibt aber noch viele, viele weitere Punkte. Das alles arbeite ich akribisch aus, bevor ich schreibe, so dass ich vor dem Schreiben den kompletten Roman bereits als Notizen im Dokument stehen habe. Ich schreibe also den Roman eigentlich zweimal, einmal in Stichpunkten und ein zweites Mal als Text. Für mich ist es wichtig, vorher genau zu wissen, wie eine Szene aussehen muss. Nur so kann ich mich beim Schreiben voll versenken und in den Rauschzustand kommen, den ich so mag. Oft entwickelt sich ein Roman natürlich beim Schreiben anders als gedacht, das lasse ich dann auch zu und plane hinterher um.

Gehst du kritisch mit dir selbst um?

Ich bin sehr kritisch, oft mehr, als mir guttut. Oft so sehr, dass ich nicht schlafen kann. Ich will immer das bestmögliche Ergebnis haben und bin dabei oft sehr hart zu mir. Aber ich finde, das ist auch wichtig, denn es gehört zum Beruf, sich immer verbessern und immer weiter lernen zu wollen. Aber irgendwann muss man auch zu einem Ende finden und sich ganz bewusst sagen, dass man gute Arbeit geleistet hat und man das Buch jetzt loslassen kann.

Was ist deine größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Das ist bei jedem Buch eine andere, das kann ich jetzt gar nicht so genau sagen. Aber ich komme bei jedem Buch mindestens einmal an den Punkt, wo alles aus den Fugen gerät und ich am liebsten alles hinschmeißen würde. Das gehört zum Schreibprozess dazu. Und diesen Punkt zu überwinden, meist, indem ich mich auf mein Handwerk besinne, gehört zu den befriedigendsten Momenten beim Schreiben.

Im Gegensatz dazu: Was inspiriert oder motiviert dich beim Schreiben?

Das kann alles mögliche sein. Lieder, Filme, Bücher, Gespräche, Musicals. Meistens weckt irgendetwas in mir den Wunsch, ein Thema aus einer anderen Blickrichtung zu betrachten, ein Buch mit der gleichen Atmosphäre aber einer ganz anderen Handlung zu schreiben oder ein Thema, das im Film immer sehr unrealistisch dargestellt wird (Organtransplantation) mal realistisch darzustellen.

Wo wir schon beim Thema wären: Beschreibe dein Werk „Die Tage, die ich dir verspreche“ mit drei Worten.

Berührend, echt, humorvoll.

Was hat dich zu der Handlung dieses Buches inspiriert?

Ich glaube, das war eine Fernsehserie, in der ein Patient drei Tage nach einer Transplantation geheilt durch die Gegend sprang. Diese Darstellung ist leider sehr verbreitet, aber sie ist nicht realistisch und wird den betroffenen Menschen und ihren Geschichten nicht gerecht. Durch den losen Kontakt zu einer Mutter, deren kleiner Sohn ein neues Herz bekam, hatte ich schon länger Berührungspunkte mit dem Thema und wusste, wie schwer es in Wirklichkeit oft ist, mit einem neuen Organ zu leben. Es hat lange in mir gearbeitet und als ich dann diese Serie sah, entstand in mir der Wunsch, darüber zu schreiben. Das Buch ist an manchen Stellen ziemlich hart, aber es zeigt hoffentlich gerade dadurch, wie wichtig es ist, sich über die Organspende Gedanken zu machen und ganz bewusst zu entscheiden, ob man Spender sein möchte oder nicht. Es gibt einfach immer noch zu viele Menschen, die auf ein neues Organ angewiesen sind, und viel zu wenige Spenderorgane.

Was ist die Botschaft der Geschichte? Was möchtest du der Welt damit mitteilen?

Es ist weniger so, dass ich etwas sagen möchte, ich will nicht belehrend den Zeigefinger hochhalten, ich möchte eher, dass meine Leser durch meine Bücher die Gelegenheit bekommen, sich aufgrund einer neuen Perspektive eine eigene Meinung zu bilden. In „Die Tage, die ich dir verspreche“ wollte ich darstellen, wie es Menschen nach einer Organtransplantation wirklich geht. Natürlich geht es nicht allen so wie Gwen, es gibt so viele verschiedene Verläufe, wie es Menschen gibt. Aber eine Transplantation ist kein Happy End, sondern ein neuer Anfang, und der ist oft für die Patienten mit sehr viel Schmerz, psychischer Belastung und einem schwierigen neuen Alltag verbunden.

Was können wir von Gwen und Noah lernen? Was hast du selbst aus der Geschichte mitgenommen?

Ich habe unheimlich viel mitgenommen, aber ich glaube, die wichtigste Erkenntnis war für mich, wie unglaublich viel Menschen einander zu geben haben. Ich habe während der Recherche viele Erfahrungsberichte gelesen, von den Empfängern, von ihren Familien, aber auch von Familien der Spender. Ich habe in dieser Zeit sehr häufig weinend am Bildschirm gesessen, weil es so unglaublich viele furchtbare Geschichten gibt und weil man sie in Internetforen durch Posts quasi live mitbekommt. Besonders ist mir die Geschichte eines Mannes in Erinnerung geblieben, der euphorisch schrieb, dass sein Mann endlich ein Herz bekommen hätte. Ich fand dann einen Post, drei Monate später geschrieben, in dem er mitteilte, dass sein Mann kurz nach der Transplantation gestorben sei. Überschäumendes Glück und niederschmetternde Verzweiflung liegen da so unglaublich nah beieinander. Und dann sind da die Familien der Spender, die so viel Trost darin finden, dass der Tod eines geliebten Menschen wenigsten einen anderen retten konnte. Sie schreiben davon, dass sie die Organe in trauernder Liebe gegeben haben und ich denke, ein größeres Geschenk kann man einem anderen Menschen kaum machen. Diese Worte von Menschen, die so einen schweren Schicksalsschlag hinter sich haben, geben Hoffnung.

Wie geht es weiter? Worum geht es in deinem nächsten Schreibprojekt?

Ich habe gerade mein nächstes Buch für Knaur abgegeben, das im Herbst 2017 erscheint. Es ist eine typische Lily Oliver Geschichte, aber ganz anders als „Die Tage, die ich dir verspreche“. Eine Geschichte, die bis zum Ende die Wahrheit zwischen den Zeilen behält und sich erst auf den letzten Seiten offenbart, obwohl alles von Anfang an ganz offen vor einem lag. Ein sehr berührendes Buch, das mich beim Schreiben sehr gefordert hat. Mehr darf ich dazu leider noch nicht sagen. ☺ Als nächstes schreibe ich den zweiten Teil zu „Sternensturm – Das Herz der Quelle“. Das soll im Frühjahr 2018 bei Arena erscheinen.

Zurück zu dir, Alana. Gibt es etwas, was du in deinem Leben bereust gemacht zu haben und ändern würdest, wenn du die Zeit zurückdrehen könntest?

Es gibt einige unbedeutende Kleinigkeiten, die ich anders machen würde, aber ansonsten würde ich alles so lassen. Alles, was ich erlebt habe, auch das Schlechte, hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin, und ermöglicht mir, die Geschichten zu schreiben, die ich jetzt schreibe. Daran würde ich absolut nichts ändern wollen.

Dein absolutes Lieblingsbuch? Welches und warum?

Harry Potter, weil es von vorne bis hinten großartig ist. Die Figuren, die ganzen Details, die spannende Geschichte. Außerdem „Claiming the Courtesan“ von Anna Campbell, weil es provokant und riskant ist, und voller Herzschmerz steckt. Solche Bücher liebe ich am meisten, Geschichten, die beim Lesen richtig wehtun.

Und dein Lieblingsgedicht?

Ich würde sagen, das ist von Christopher Pointdexter:
And in the end, we were all just humans, drunk on the idea, that love and only love could heal our brokenness.

Ich liebe dieses Gedicht, es fasst sehr gut in Worte, was für Geschichten ich gerne lese und schreibe. Wir sind alle wie betört von der Vorstellung, dass Liebe und zwar nur die Liebe uns heilen kann. Darauf hoffen wir, deswegen lieben wir Bücher, in denen genau das geschieht, und deswegen lieben wir manchmal vielleicht umso mehr Bücher, in denen es nicht gelingt. Weil wir diese Sehnsucht so gut verstehen, dass ein anderer Mensch alles wieder gutmachen kann, was uns wehtut, und weil uns die Verzweiflung, wenn es schiefgeht, so unglaublich berührt.

Welchen Traum würdest du dir gerne erfüllen?
Mein Leben lang Schreiben zu können und damit genug Geld zu verdienen, um nie wieder etwas anderes machen zu müssen.

Auf welche zwei Dinge könntest du nicht verzichten?

Meinen Mann, obwohl der natürlich keine Sache ist. *g* Auf Musik und das Schreiben. Auf eines von beiden zu verzichten wäre für mich sehr, sehr hart.

Was macht dich wirklich und wahrhaftig glücklich?

Im Moment Tanz der Vampire, vor allem, wenn Thomas Borchert den Graf von Krolock singt. Musik hat mich schon immer glücklich gemacht, aber das ist etwas ganz Besonderes, was ich so noch nie erlebt habe. Diese großartige Musik und dazu diese einzigartige Stimme, das ist eine Einheit, die einen Rauschzustand erzeugt, den ich einfach immer wieder erleben will. Deswegen habe ich auch schon drei neue Karten, obwohl ich das Musical bereits 14 Mal gesehen habe. *g* Es ist heutzutage so schwer, etwas zu finden, das einen ganz ohne negative Seiten vorbehaltlos glücklich macht, wenn man etwas gefunden hat und es sich irgendwie leisten kann, sollte man es sich gönnen und es niemals bereuen. Etwas anderes, was mich immer sehr glücklich macht, sind die kleinen Momente, in denen alles von einem abfällt. Wenn man nach einem anstrengenden Aufstieg auf einen Berg mit dem Partner auf dem Gipfel steht und die gigantische Aussicht genießen kann. Von solchen Momenten kann ich sehr lange zehren.

Wie sieht dein perfekter Tag aus?

Tagsüber mit meinem Mann in die Berge gehen, eine wahnsinnige Aussicht genießen, abends Tanz der Vampire anschauen und danach noch einen kleinen Schreibrausch genießen. Das wäre mein perfekter Tag. Aber das wäre vielleicht etwas viel auf einmal.
Verteilt auf drei Tage wäre es besser, dann hätte ich an drei Tagen etwas, was den Tag großartig macht.

Zum Schluss hast du die Möglichkeit all das loszuwerden, was du schon immer mal loswerden wolltest. Was wäre das?

Das ganze Gerümpel aus meinem Keller? Nein, im Ernst. Wirklich gerne würde ich den vielen Menschen danken, die immer für mich da sind, meinem Mann, den vielen tollen Menschen aus dem Tintenzirkel und meinen Lesern, die meine Bücher lieben. Für mich ist das Leben als Berufsautorin ein großes Glück, das ich nur aufgrund der endlosen Geduld und Unterstützung meines Mannes und der Treue und Begeisterung meiner Leser führen kann. Dafür bin ich jeden einzelnen Tag dankbar.

Vielen Dank, liebste Alana!

4 thoughts on “Im Gespräch mit Alana Falk

  1. Ein wundervoller Beitrag und ein super Interview! Mir gefallen die Fragen die du gestellt hast und die Autorin wirkt super sympathisch! Werde mir ihr Buch gleich mal ansehen!
    Wünsche dir einen tollen Tag!

  2. Auch ich finde deinen Beitrag wirklich sehr gelungen. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, hautnah dabei zu sein. Die Autorin ist sehr genau auf deine Fragen eingegangen und ich finde gerade das sehr sympathisch.
    Das Buch werde ich mir auf meine Bücherliste schreiben.
    Danke für dieses tolle Interview
    und hab ein schönes Wochenende!

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