Fragmente des Lebens

Ein unheimliches Gefühl überkommt mich, schlingelt sich zunächst leicht um meine Füße, windet sich an meinen Beinen hinauf, bis ich es ganz tief in mir spüren kann und es mich zu übermannen droht. Ich bekomme keine Luft, meine Kehle schnürt sich zu. Ich muss mich an der Wand mit meiner freien Hand abstützen, bevor der Erdboden droht vor mir zu verschwinden. Meine andere Hand klammert sich fest an meinen Hals und versucht dieses abscheuliche Gefühl abzuwimmeln. Alles ist gut, es ist nichts passiert. Noch nicht schießt es mir unwillkürlich durch den Kopf. Einen klaren Gedanken zu fassen scheint schier unmöglich. Die Welt spielt sich weiter vor meinem Auge ab, doch wo bin ich?

Und wo ist sie? Panik überkommt mich, verzweifelt suche ich die Gegend ab, doch weit und breit nichts. Nichts. Die Erkenntnis trifft mich we ein Schlag ins Gesicht, sie ist nicht mehr hier noch da. Sie ist fort, ohne um Erlaubnis zu fragen. Sie hat mich verlassen. Zurück gelassen in dieser so trostlos wirkenden Welt. Grau. Schwarz. Weiß. Mehr sehe ich nicht. Ich kannte sie nicht und doch hat sie hat mein Blick auf das Leben, die Welt und alles drum herum verändert. Dabei kannte ich sie nicht und sie mich nicht.

Ich halte deine Hand. Du weißt es schön länger, jedoch glaube ich dir nicht. Ich schenk dir mein Vertrauen, lasse dich nicht allein. Begleite dich, wohin du auch zu gehen vermagst. Du schaffst das, wir schaffen das gemeinsam. Die Worte schleichen sich in meinen Kopf, lassen mich nicht los. Natürlich nicht. Alles ist gut, es ist nichts passiert. Zwei Fremde, die einander so innig verbunden sind, dabei kennen sie sich nicht. Ich sehe, dass es dir nicht gut geht, du quälst dich. Eine Flucht, die gibt es nicht. Den letzten Weg bestreiten wir gemeinsam, du und ich. Du bist dankbar, dass ich da bin, magst nicht allein sein, doch du bist still und in dich gekehrt. Sag mir, wie kann ich dir helfen? Der Lebensmut, der Antrieb des Lebens, wo hast du ihn gelassen? Verschmitzt lächelnd sitzt er in der Ecke des Behandlungszimmers. Es ist alles gut, es ist nichts passiert. Er schmunzelt, verhöhnt dich bis ins letzte Detail. Die Kraft verlässt dich, deine Glieder fühlen sich schwer an, die Last droht dich zu ersticken. Du magst nicht mehr, das kann ich gut nachvollziehen. Wer sind wir, um dies zu beurteilen?

Im Nachhinein ist es für mich ein schlechter Traum, der sich nachts immer wieder vor meinen Augen abspielt. Hätte ich es ändern können? Pure Verzweiflung plagt mich.

Du hast mich verlassen. Ich habe dich begleitet und bereue nichts. Zwei Fremde, die für ein kurzes Stück Komplizen sein durften. Dafür werde ich dir ewig dankbar sein.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.