Literaturtratsch: Fantasy in der Literatur, ein Freitext

In den drei Buchhandlungen, in die ich regelmäßig gehe, fällt mir ein gewisses Wachstum auf: Das Genre der Fantasy nimmt immer mehr Platz ein. In der größten der drei Buchhandlungen gab es vor 10 Jahren nur ein kleines Regal in der Ecke, mittlerweile dehnt es sich auf zwei Riesenregale (die oberste Spalte kann man nur noch mit den Augen erreichen) und zwei Büchertische aus. Auf einem dieser Tische ist natürlich schon seit mehr als einem Jahr nur Game of Thrones-Zeugs inklusive sämtlichem PR-Kram zu finden, auf dem anderem türmen sich die anderen Neuerscheinungen, meistens irgendwas mit „Schatten“, „Assassine“ oder „Dieb“ im Titel. Fantasy geht halt oft mit Klischees einher, oft auch mit Orcs, Zwergen & Elfen. Persönlich überhaupt nicht meins.

Es ist trotzdem mein Lieblingsgenre.

Im Folgendem lasse ich mich etwas über das Genre aus, warum ich es liebe, warum es mich nervt, warum es sich im Wachstum befindet und warum es unser Leben langweilig erscheinen lässt. Vielleicht könnt ihr euch auch damit identifizieren.


Alles auf Anfang

Sei es Harry Potter, Warcraft oder Herr der Ringe. Späte Generation Y und Generation Z sind mit Fantasy ganz einfach aufgewachsen. Egal ob Animes auf PokitoTV, Harry Potter-Filme im Kino oder Pokemon auf dem Gameboy: Alles Fantasy. Zur literarischen Fantasy, der meines Erachtens nach besten Fantasy, bin ich leider erst später gekommen. Mit Schwertern und Magie bin ich trotzdem groß geworden.

Mein erster Fantasyroman war tatsächlich ein Warcraft Roman. Ganz klassisch: Zauberer, Orcs, Zwerge, Elfen, Drachen…you name it. Heute kann ich mir das nicht mehr antun: Diese klischeehafte High-Fantasy à la Herr der Ringe finde ich mittlerweile schrecklich abgedroschen. Zu meinem Glück geht die moderne Fantasy nicht mehr in diese Richtung: Intrigenhafte mastermind–Fantasy dominiert den Markt. Ein Lied von Eis und Feuer machts vor: Politik, Krieg, Sex und eine Prise Fantasy. Sowas findet man heutzutage immer öfter. Fantasyromane bei denen die Fantasy in den Hintergrund rückt.

Das finde ich persönlich super – das Wichtigste in einem Roman, unabhängig vom Genre, sind für mich immer die Charaktere, die Beziehung zwischen den Charakteren und die Charakterentwicklung. Vor allem letzteres findet man ausführlich in meinem Lieblingsgenre. Teilweise verzichte ich auf den Kauf von alleinstehenden Büchern. Die geben mir nämlich das Gefühl, dass es nicht genug Platz für die Charaktere gibt, sich glaubwürdig weiter zu entwickeln.


Woher rührt der Wachstum?

Ich will gar nicht wissenschaftlich an das Thema herangehen. Ich glaube einfach, dass Fantasy jetzt schon seit einiger Zeit im Kommen ist und sich bei uns so festgesetzt hat, dass es nicht mehr wegzudenken ist. Und das meine ich wörtlich: In keine andere Art Buch kann ich mich so sehr vertiefen wie in einen Fantasyroman. Man sagt ja immer, das man beim Lesen im Buch versinkt. Tja, bei Fantasy gilt das für mich doppelt, die bildliche Vorstellung in meinem Kopf beim Lesen von fantastischen Szenen ist dabei so stark, dass ich meine Umgebung komplett ausblende. Selbst in der Feierabendbahn.

Da wundert‘s auch gar nicht, dass in meiner Kindle-Bibliothek fast ausschließlich fantastische Romane zu finden sind.

Das Fantasy & Science Fiction sich im Wachstum befindet, freut auch die Verläge: Buchreihen wie „Ein Lied von Eis und Feuer“ (oder: „Game of Thrones“) sind pure Goldminen. Will man die gesamte Reihe auf deutsch und in Paperback lesen (denn, ganz ehrlich: Paperback ist uns doch allen ultimativ lieber als eRead), muss man mal eben 150 € blechen. Denn zu finden in den Buchläden ist nur die Neuauflage, die alten Versionen der Bücher sind wenn überhaupt nur noch online zu finden.

Warum das so teuer ist? Nun ja, im Original umfasst die Reihe bisher fünf Bänder. In den Läden hierzulande findet man aber zehn. Das Argument der Industrie: Englische Bücher, die im Original schon sehr umfassend sind, sollten, wenn ins deutsche übersetzt, zweigeteilt werden, damit das Buch nicht zu dick wird.

Das verstehe ich auch. Aber tut mir leid, seit jeher gilt die Regel: Ist das Buch gut, darf es dick sein. Gerne auch fett. Dieses Buchgeteile ist dementsprechend hauptsächlich Geldmacherei. Darüber will ich mich jetzt aber nicht weiter auslassen, diese „Aus eins mach zwei“-Mentalität in der Literatur ist ein Thema für sich.


„Fantastischer“ Einfluss

Ich bin generell ein Tagträumer. Gute Fantasyromane lassen mich im Alltag aber gezielt abdriften: Oft denke ich daran, wie gewisse Szenen hätten anders, besser laufen können. Denn die Autoren geben ihren Lesen natürlich nie das, was sie wollen.

Als Kind habe ich mir oft vorgestellt, wie es wäre, in so einer Welt zu leben. Es wäre ja so viel aufregender gewesen als hier, bei uns, wo wir uns alles höchstens vorstellen können. Heute würde ich es mir nicht mehr wünschen, jedenfalls nicht für permanent. Autoren wie Joe Abercombie und Brandon Sanderson zeigen gerne die Schattenseiten ihrer eigenen Welten, Moral spielt in ihren Büchern eine große Rolle. Sei es ein absolut brutaler Krieg mit irgendwelchen riesigen Fleischbestien oder der simple Fakt, dass es da keine Toiletten gibt: Geträumt wird heute anders.


Stereotypen

In Sword & Sorcery finden sich viele Stereotypen. Als Beispiel könnte man den einfachen Straßen- oder Bauernjungen nennen, der eines Tages durch einen schicksalshaften Schlag sein magisches Talent entdeckt und dadurch in eine völlige neue Welt geleitet wird, die er irgendwie retten muss.

Ein Stereotyp von dem ich auch immer öfter lese ist der alte Mann, der eine besonders hohe Position in irgendeinem Regiment inne hat und den Protagonisten nach seiner Pfeife tanzen lässt. Über diese Person sind meistens nur spärliche Hintergrundinformationen bekannt, was jedoch klar ist: Er ist verdammt clever, manipulativ und hat ein riesen Ego. Da fallen mir auch spontan drei Figuren ein: Tywin Lennister aus ASOIAF („Das Lied von Eis und Feuer“), Bayaz aus der First-Law Trilogie und Andross Guile aus der Lightbringer Saga.


Und du?

Fantasy ist mein liebstes Genre und das wird wohl auch so bleiben. Es ist meistens groß angelegt, überzeugt durch eigene Welten und ist einfach nur – Achtung, schlechter Wortwitz – fantastisch. So klischeehaft wie es auch ist, ist es genauso facettenreich. Dabei hab ich noch nicht mal ein Wort über Steampunk oder die anderen Sub-Genres verloren.

Die Meinungen spalten sich. Für viele ist Fantasy zu nerdig, für andere zu kompliziert und wieder andere haben Fantasy in Games, Comics oder Filmen einfach lieber.

Und was ist mit dir? Machst du dir überhaupt über sowas Gedanken oder blätterst du dich wild und ohne Vorurteile durch die Genres durch?


Erik - Balkonschwätzer

Erik: Gastautor, Bücherliebhaber, Freigiest & Kekssüchtiger. Dir gefällt was Erik schreibt? Besuche ihn auf seinem eigenen Blog Balkonschwätzer.

3 thoughts on “Literaturtratsch: Fantasy in der Literatur

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